LBO

Lebens- und Berufsorientierungsworkshops


Die Lebens- und Berufsorientierungsworkshops richten sich an Schüler/-innen der Klassen 7 bis 9 der Heidelberger Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen und Förderschulen. Andere Klassenstufen und Schulen bei Kostenübernahme auf Anfrage. Die Workshops werden in der Regel pro Mädchen-/ Jungengruppe von jeweils zwei Fachkräften oder einer Fachkraft und einer studentischen Kraft angeleitet.

Kurzbeschreibung

Die Arbeit an den Schulen findet im engen Austausch - sowohl in der Vorbereitung als auch in  Nachgesprächen - mit den Lehrkräften und/ oder der Schulsozialarbeit statt, um ein bedarfsgerechtes Angebot zu ermöglichen. Da jede Schule ihr eigenes Schulprofil entwickelt hat, sind die Angebote dem jeweiligen Curriculum angepasst. Im Rahmen unserer Berufsorientierungsangebote werden unsere Module mit den Maßnahmen aller an der beruflichen Orientierung beteiligten Partnern koordiniert und optimiert. Daher reicht die Angebotspalette von Workshops im Schulunterricht bis hin zu fortlaufenden Nachmittagsangeboten. Der „Offene Mädchentreff“ rundet als notwenige Ergänzung der schulinternen Angebote das Gesamtpaket ab.

Ein Modul beinhaltet ein Schwerpunktthema, das mit verschiedenen Methoden umgesetzt werden kann. Das Setting der Angebote ist abhängig von den Gegebenheiten, die an der jeweiligen Schule vorgefunden werden: Räumlichkeiten, Klassenzusammensetzung usw. In der Regel finden die Angebote in geschlechtshomogenen Gruppen statt, wobei auch eine Zusammenführung der Gruppen sinnvoll sein kann.

Modul 1                                                                                                       Fokus: Beruf

Die Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, sich mit den eigenen Stärken und Kompetenzen auseinander zu setzen, mit dem Ziel einen realistischen Lebens- und Berufsweg einzuschlagen.       
Die Methoden zur Umsetzung sollen die Jugendlichen mit allen Sinnen ansprechen:

  • Übungen zur Selbstpräsentation in neuen, insbesondere Bewerbungssituationen (angeleitete Gruppendiskussionen)
  • Übungen aus dem Bereich der Körperbewusstseinsschulung zur Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung (nonverbale Kommunikation)
  • Übungen zur Erfassung der Teamfähigkeit mit anschließenden Reflexionsgesprächen
  • Rollenspiele zur Erfassung der Rollenänderungen, die mit einem Ausbildungsbeginn, Berufsanfang einhergehen
  • Handwerklich-kreative Aufgaben zur Erweiterung des Stärkenbewusstseins, und zur Erfahrung von neuen Handlungsmöglichkeiten im nicht als üblich wahrgenommenen männlichen beziehungsweise weiblichen Verhaltensfeld

Modul 2                                                           Einflussfaktoren auf die Berufswahl

Ziel ist das Netz der Informationsgewinnung kennen zu lernen, Informationsquellen erschließen, unter Einbeziehung von Printmedien, Film, Computer bzw. Internet, Digitalfotografie. Die Jugendlichen sollen Gesprächspartner/-innen wie Eltern, arbeitende Jugendliche und junge Erwachsene, u.a. als Quelle der Informationsgewinnung wahrnehmen, Alternativen gewichten und ausgehend von der Selbsteinschätzung und den eigenen Berufsvorstellungen sollen die Schüler/ -innen übergeordnete und persönliche Entscheidungskriterien und –alternativen herausarbeiten.

  • Informationssuche, z.B. BIZ-Besuch; Tests, Berufsbeschreibungen finden, die sich mit den Stärken und Wünschen in Einklang bringen lassen.
  • Betriebserkundungen, geben den Jugendlichen einen Einblick in die konkrete Arbeitswelt.
  • Berufskontaktbörse. Es zeigt sich, dass Schüler/-innen ihr Wahlpflichtfach nach wie vor geschlechtsstereotyp entscheiden. Um dieses starre Wahlverhalten aufzubrechen, bieten wir eine mehrstündige Berufskontaktbörse an. Mittels Fotos, Geschichten und Arbeitsgeräten zum Anfassen und Ausprobieren, erhalten die Schüler/ -innen einen persönlich ansprechenden Einblick in die jeweils geschlechtsstereotype „Gegenwelt“. Der Kontakt mit Männern und Frauen, die einen untypischen Beruf gewählt haben ist für die Mädchen und Jungen häufig ein Aha-Erlebnis, das es ihnen ermöglicht, Alternativen überhaupt zu erwägen.
  • Direkt in den Beruf – wie kann es gehen? Workshop zur Sensibilisierung für die verschiedenen Einflussfaktoren, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen bei der Entscheidung für ihren beruflichen Weg.

Modul 3                                     Wann ist ein Beruf „weiblich“, wann „männlich“?

Gender-Trainingskurse für Mädchen und Jungen, grundlegend ist immer die Frage „Ab wann ist ein Beruf weiblich oder männlich“ und welchen Einfluss hat dies auf die eigene Berufswahl? Mittels technischer und medialer Werkzeuge wird die Wahrnehmung auf die oben benannte Fragestellung fokussiert.

Die Jungen und Mädchen sollen die Wirkung von gesellschaftlichen Geschlechtsrollenvorgaben bei ihrer Berufswahlerkundung erkennen. Auseinandersetzung mit Rollenklischees und Reflexion des Einflusses auf die Möglichkeiten einen Beruf frei zu wählen. Erweiterung der Kenntnisse zur Berufswahl und damit der Berufswahlkompetenz. In diesem Modul soll eine grundsätzliche Wertschätzung für die Tätigkeiten klassischer Frauenberufe vermittelt werden und ebenso eine Sensibilisierung für die noch vorhandenen Ungleichheiten der Löhne und Gehälter von Männern und Frauen, wie auch für die Unvereinbarkeit von Familien- und Berufstätigkeit für Männer erreicht wird.

  • PC-, Foto-, Video-, Radioprojekte/ .kurse, zur Vermittlung von Medienkompetenz u.a. als Ausgleich geschlechtsspezifischer Fokussierung auf speziell als „weiblich“ oder „männlich“ erlebte  Handlungsspielräume und –erwartungen in diesen Bereichen.
  • WS oder AG: Hardware für Mädchen – warum Mädchen sich keinen PC bauen? Umgang mit einer Materie, die dem „männlichen“ Handlungsspielraum zugesprochen wird.
  • WS oder AG: „Männerberufe – Frauenberufe?“ Reflexion in der Peer-Group: Wie geht man mit  geschlechtsspezifisch „außergewöhnlichen“ Berufsvorstellungen untereinander um.
  • WS oder AG: „Die Kunst“ ist weiblich – das Männerbild in künstlerischen Berufen. Mittels Fotografie, Jonglage oder anderer künstlerischen Tätigkeiten wird der Frage nach Geschlechts-Klischees im „Kunstbetrieb“ nachgegangen.
  • WS oder AG: „Soziale Arbeit, Altenheim und Pflegedienst“ – Jungen erkunden soziale Arbeitsfelder.
  • „Radwechsel und Mauerwerk“ – Mädchen erkunden Berufe, die offensichtlich körperliche Kraft erfordern und als „dreckig“ erlebt werden.
  • WS oder AG „Kochende Jungs“: Ziel ist der praktische Umgang mit Lebensmitteln und eine praxisnahe Erkundung der Berufsfelder „Gastronomie und Lebensmittelbranche“, um Geschlechtsrollenklischees auf zu brechen.

Modul 4                                    Selbstständige Erarbeitung der Lebenshaltungskosten

Hier geht es um die praxisnahe Beschäftigung mit Fragen der Lebensplanung mit dem Fokus „Was kostet das Leben?“.

Bei diesem Workshop setzen sich die Schüler/-innen damit auseinander, was das Leben kostet und wie sich dies auf ihre Lebensplanung auswirkt.

Modul 5     Schlüsselqualifikationen als Grundlage zur freieren Berufswahl erkennen

In diesem Modul ist das Ziel, dass die Jugendlichen ein Gespür für die notwendigen und erwarteten Fähigkeiten und Eigenschaften gewinnen, die in den üblichen, leicht zugänglichen Berufstests nicht zugänglich sind. Beispielsweise geht es Sinneswahrnehmungen, die in verschiedenen Berufen besonders gefordert sind und aktive Stellvertretungsaufgaben für Fähigkeiten, wie Ausdauer auch bei langweiligen Aufgaben und Geschicklichkeit.

  • Spiel zur Wahrnehmung, Realisierung der Inhalte von Schlüsselfähigkeiten
  • Fähigkeiten-Parcours, in dem die Schüler/ -innen sich selbst wahrnehmen in Fähigkeiten, wie Ausdauer, Stärke, Geschicklichkeit und Kraft.
  • Übungen zu Eigenschaften, die in verschiedenen Berufen erforderlich sind, allerdings häufig als selbstverständlich wahrgenommen werden, wie z.B. Gerüche aushalten.
  • WS zur (Selbst-)Präsentation im Rahmen der Berufssuche.

Modul 6                     Konfliktfähigkeit – eine Grundvoraussetzung zur Berufsfindung

Trainingsworkshops in geschlechtshomogenen Gruppen, in denen sozialverträgliche Konfliktfähigkeit auf eine jugendgerechte Weise thematisiert und eingeübt wird.

  • Vermittlung angemessener Kommunikation in Streitsituationen
  • Strategien der Konfliktbewältigung in komplexeren Situationen
  • Stärkung der Fähigkeit im Alltag, Grenzen angemessen zu setzen und zu wahren
  • Mobbing im Arbeitsleben und an der Schule erkennen, verhindern, vermindern

Geschlechtssensibles Angebot mit einer Vielzahl von Methoden, welche die Jugendlichen nicht nur kognitiv, sondern mit allen Sinnen ansprechen:

  • Teambildung, Rollen in einer Gruppe, Zusammensein in einer Gruppe, um die Grundlagen und Auswirkungen verschiedener Gruppenzusammensetzungen kennen zu lernen
  • Kooperationsübungen, Zusammenarbeit in einer Gruppe, ohne die Möglichkeit auszuweichen
  • Rollenspiele aus der Gewaltprävention zur Stärkung der Wahrnehmung von individuellen und Gruppengrenzen
  • Gruppendiskussionen zur Einübung gewaltfreier Auseinandersetzung
  • Einbeziehung von Medien (Printmedien, Film, Computer bzw. Internet, Digitalfotografie)

Modul 7                                                                                                         Offener Treff

Dieses Angebot richtet sich zunächst an Mädchen, die meist nur in einem geschlechtshomogenen Rahmen die elterliche Erlaubnis  bekommen ihre Lebenswelt zu erweitern und Eigenständigkeit aufzubauen. Dieses Angebot wird von einem Teil der Schulen als (notwendige) Ergänzung,  Fortsetzung und gewünschte Vertiefung der Workshops verstanden. Die Mädchen bekommen im Rahmen ihres sozialen Nahraumes wenig bis keine Chancen, ihre beruflichen Vorstellungen zu konkretisieren, wählen und zu erweitern.

Insbesondere bekommen die Mädchen die Gelegenheit ihr Auftreten in der Öffentlichkeit zu trainieren, was ihnen sonst nicht ermöglicht wird. Es werden ihnen Lebensfertigkeiten vermittelt, die Schlüsselqualifikationen für  einen erfolgreichen Übergang in den Beruf sind die Unterstützung bei Sprachproblemen, die Förderung der Mobilität in der Öffentlichkeit, die Förderung eines sicheren und höflichen Auftretens in der Öffentlichkeit, Selbstreflexion des Handelns in der Öffentlichkeit und Erweiterung des beruflichen Horizontes.

ESF Baden Württemberg