RNZ-Artikel zum Film
RNZ-Artikel vom 5.12.2007:
Von Cornelia Gräf
Langsam, aber bestimmt legt sich die große Männerhand auf Knie und Oberschenkel der jungen Frau, die in der S-Bahn sitzt. In ihrem Gesicht spiegeln sich Schock, Ekel, aber auch Angst und Hilflosigkeit wider. Beim Anblick dieser Situation schnürt sich dem Betrachter die Kehle zu, ein kalter Schauer läuft über den Rücken. Glücklicherweise ist in diesem Fall alles nur gespielt. Denn die Szene stammt aus dem aufrüttelnden Kurzfilm "Entschlossen handeln statt hilflos ab-warten" des Heidelberger Mädchenhauses, der kürzlich in den Räumen des Kulturvereins uraufgeführt wurde.
Zu der Feier begrüßten Mädchenhaus-Geschäftsführerin Katrin Raabe und Projektleiterin Regine Schumacher viele Lehrer, Sozialarbeiter, aber auch Kulturinteressierte aus Heidelberg. In einer kleinen Ansprache erzählte Schumacher, ihres Zeichens Fachfrau für Gewaltprävention, wie lange ihr schon die Idee für einen Kurzfilm gegen Gewalt im Kopf herumschwirrte und sich mit dem Softwareunternehmen SAP schließlich der dringend benötigte Geldgeber und mit Yvonne Vogel eine engagierte Filmemacherin fanden.
Letztlich begab sie sich auf die Suche nach interessierten Schülerinnen für ihr Projekt. Schnell war eine bunt gemischte Gruppe aus fünf Teenagern beisammen, auch wenn die sich zu-nächst vielleicht eher vom Traum, ein kleiner Filmstar zu werden, angezogen fühlten. So protestierten Lara Labonté, Carol-Ann Lange, Coleen Dannroth, Franziska Weber und Naela Mavaddat vehement, als sie beim ersten Treffen erfuhren, dass ein Film mit Knetfiguren geplant war. "Ganz fixiert darauf, auf die Leinwand zu kommen" seien sie gewesen, berichteten sie in ihrer Premierenrede. Auch bedankten sie sich bei den Erwachsenen dafür, dass diese sowohl ihre Eitelkeiten als auch Lachanfälle beim Dreh ausgehalten haben.
Doch es habe sich gelohnt, sie seien sehr stolz auf ihren Film. Das können die fünf wahrlich sein, haben sie sich doch alle Szenen selbst ausgedacht und gespielt. Der Streifen macht deutlich, dass Gewalt gegen Mädchen und Frauen nicht nur in Form des Grabschers im Zug stattfindet. Mobbing durch Mitschüler oder das ungute Gefühl, alleine durch eine schlecht beleuchtete Unterführung laufen zu müssen, sind genauso Facetten des Problems. "Stopp! Wehr dich!", werden der Zu-schauer und besonders die Zuschauerin am Ende aufgefordert.
Wie das aber auszusehen hat, das lässt der Film offen. An diesem Punkt entfachte sich nach der Vorführung eine rege Diskussion. Man müsse Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich wehren solle und wo man Hilfe bekommen könne, meinten die einen. Gerade durch das offene Ende lade der Film dazu ein, sich weiter über das Thema Gedanken zu machen, entgegneten die anderen. In einem waren sich jedoch alle einig: Die Leistung der fünf Mädchen war gewaltig.